Schweizer Baugewerbe: Neue Energieanforderungen prägen Zukunft

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Das revidierte Energiegesetz und strengere CO₂-Vorgaben zwingen Handwerksbetriebe zur Umstellung. Digitale Baugesuche und höhere Lohnnebenkosten verschärfen die Situation zusätzlich.
Schweizer Baugewerbe: Neue Energieanforderungen prägen Zukunft

Die Schweizer Bau- und Handwerkswirtschaft steht vor grundlegenden Veränderungen. Das revidierte Energiegesetz und die Stromversorgungsgesetzgebung verstärken den Ausbau erneuerbarer Energien und erleichtern Bewilligungsverfahren. In mehreren deutschschweizer Kantonen werden kantonale Solarpflichten in Baugesetzen verankert – Neubauten und grössere Dachsanierungen müssen zunehmend Photovoltaikanlagen tragen.

Die CO₂-Gesetzgebung für die Periode 2025–2030 erhöht den Druck auf fossile Heizsysteme. Das nationale Gebäudeprogramm in Kooperation mit den Kantonen fördert Sanierungen und Heizungsersätze durch Wärmepumpen, Holzheizungen oder Fernwärme. Für Handwerksbetriebe im Heizungs-, Sanitär- und Elektrobereich entstehen zusätzliche Nachfragen – vorausgesetzt, sie beherrschen erneuerbare Technologien und erfüllen SIA- sowie MuKEn-Standards.

Parallel revolutionieren kantonale eBau-Plattformen die Abläufe. In Kantonen wie Bern, Zürich und St. Gallen werden Baugesuche zunehmend digital eingereicht. Planungsbüros und Generalunternehmer müssen BIM-Kompetenzen aufbauen und sich an kantonsspezifische Portale gewöhnen.

Die VKF-Brandschutzvorschriften werden laufend durch technische Auslegungen präzisiert – insbesondere für Photovoltaik-Anlagen auf Dächern, Batteriespeicher und Holzhybrid-Bauten. Elektro-Installateure und Holzbauer müssen aktuelle Merkblätter strikt einhalten.

Zusätzlich steigen die Lohnnebenkosten durch AHV- und BVG-Reformen sowie Anpassungen in Branchenkollektivverträgen (Bauhauptgewerbe, Ausbaugewerbe). Mindestlöhne und Spesenregelungen werden vielen Kantonen neu festgesetzt. KMU müssen Kalkulation und Personalplanung anpassen.

Kantonale Bau- und Umweltgesetzrevisionen forcieren zudem Siedlungsverdichtung und Klimaanpassung. Strengere Regeln für Oberflächenwasser (Schwammstadt-Prinzip), Dach- und Fassadenbegrünung sowie Entsiegelungspflichten schaffen neue Aufträge für Hoch-, Tief- und Gartenbaubetriebe – erfordern aber auch Spezialisierung auf ökologische Mindeststandards.

Für Betriebe, die sich frühzeitig auf Energieeffizienz, digitale Prozesse und Fachkompetenz spezialisieren, entstehen Chancen. Andere müssen ihre Geschäftsmodelle grundlegend überdenken.

Quellen: Schweizerischer Baumeisterverband, Bundesamt für Energie (BFE), Bundesamt für Umwelt (BAFU), kantonale Bau- und Energiedirektionen, Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF)

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